| Geschichtlicher Überblick |
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| Strausberg entstand im 13. Jahrhundert. Vorher
war das Land lange Zeit von slawischen Stämmen besiedelt, die im 6.
und 7. Jahrhundert von Osten und Südosten her eingewandert waren.
Die Landschaft nördlich der unteren Spree gehörte zum Stammesgebiet
der Sprewanen, deren Fürstenburg in Köpenick stand. Zwischen Bötz-
und Fängersee hatten sie einen leicht befestigten Wohnplatz. |

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Anfangs hieß der See "Struz", später
"Strauss" und schließlich "Straussee". Einige namhafte
Sprachwissenschaftler erklären den Namen heute aus dem slawischen Wort "strutch"
für eine lang-schmale Frucht (deutsch: Schote). Offenbar hat die Gestalt
des Sees zu dieser Benennung geführt. |
Gegen Ende des 12. Jahrhunderts drängten Fürsten aus fast
allen Himmelsrichtungen in das Siedlungsgebiet der Sprewanen. Etwa
1180/90 gelang es dem wettinischen Markgrafen der Lausitz, die Fürstenburg
Köpenick zu erobern und mit seinen Rittern weiter nach Nordosten bis zum
unteren Oderbruch vorzudringen. In den folgenden Jahrzehnten wurde diese
Landschaft (damals: "Barnem" ) mit deutschen und sorbischen Bauern
besiedelt. |
| Um 1225 wurde eine neue markgräfliche Burg als Herrschaftsmittelpunkt
erforderlich. Als Standort dieser Burg wurde die höchste Stelle am Ostufer
des Straussees ausgewählt. Die Bauern hatten Bauhilfsarbeit zu leisten,
die Ritter der Burgbesatzung erhielten Höfe im Vorgelände ("Ritterstraße"),
Dienstleute wurden unterhalb der Burg am Seeufer angesiedelt ("Kietz")
und sehr bald erhielt die alte Straße von Köpenick nach Wriezen eine neue
Wegführung unmittelbar an der Burg vorüber. |
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Schließlich entstand im Schutz der Burg, ein Rastplatz
für fahrende Kaufleute, aus dem ein Marktort mit der Nikolaikirche
wurde ("Lindenplatz"). Damit waren die Anfänge
einer vorstädtischen Siedlung entstanden, auf die sich der Burgname
Struzberg übertrug. |
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Nach weiteren Machtstreitigkeiten fiel die Landschaft (der
östliche Barnim) an die Markgrafen von Brandenburg, die den Marktort Struzberg
zu einer regelrechten Stadt mit Stadtrecht erweiterten. Das geschah wahrscheinlich
noch vor dem Jahr 1247. Als ab 1252 die Dominikanermönche auf dem Burggelände
ihr Kloster errichteten, war Strausberg ganz sicher schon eine Stadt, denn
die Bettelmönche pflegten sich nur in Städten niederzulassen. |
Im ersten Jahrhundert der Stadtgeschichte kauften die Stadt
oder einzelne Bürger Gewässer, Fischereirechte und Gemarkungen verlassener
Dörfer in der Umgebung; in bewohnten Dörfern erwarben sie Rechte an den
Feudalabgaben der Bauern. Aus der Mark wurde damals Getreide in größerer
Menge in die Seehandelsstädte und von dort weiter nach Flandern exportiert.
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| Adelsfehden und Straßenräuberei störten den Landfrieden,
als 132??Ù??0 das brandenburgische Herrscherhaus ausstarb. Nach 1348 erfassten
Kriegswirren auch Strausberg, und selbst die feste Stadtmauer genügte nicht,
die Bürger zu schützen. Zuletzt wurden der Stadt sogar alle urkundlichen
Rechtsbestätigungen geraubt. |
| Gegen Ende des 14. Jahrhunderts erlebte das Raubrittertum
geradezu eine Blütezeit. Besonders berüchtigt war die Sippe der Quitzows,
von denen Dietrich zweimal vor Strausberg zog, um es zu erobern, einmal
zusammen mit auswärtigen Fürsten, das andere Mal im Auftrag der verbündeten
märkischen Städte. |
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| Danach erwarben verschiedene Adlige die Stadt vom Markgrafen
als Pfand für größere Geldsummen, und der Rat musste sich 1418 beeilen,
die Gerichtsbarkeit über die eigenen Bürger zu erwerben, damit sie nicht
in adlige Hände fiel. |
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Damals nahmen die Strausberger den brandenburgischen
Adler ins Wappen auf, um zu betonen, dass ihre Stadt landesunmittelbar
war. Die Eroberung durch die Hussiten 1432 war??Ù?? dann für längere
Zeit das letzte Kriegsereignis, das schwere Schäden hinterließ. |
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| Es gab gelegentlich innerstädtische Auseinandersetzungen,
Unzufriedenheit mit dem Rat, Steuerforderungen und immer wieder die
Pest mit ihren schlimmen Folgen. Vor allem der Steuerdruck durch die Ständekasse
stieg, so dass die Strausberger 1566 regelrecht rebellierten. Der
Rat musste ständig Geld zusammenborgen, die Stadt war bald völlig überschuldet. |
| In dieser an sich schon schwierigen Lage brach der Dreißigjährige
Krieg aus, der die Stadt 22 Jahre drangsalierte und völlig ruinierte.
Der Krieg fraß alles auf, was in mühsamer Arbeit geschaffen worden
war, ob durch zu zahlende Kontributionen, die Versorgung einquartierter
Söldner oder durch Plünderungen. Zuletzt hatten die meisten
Bewohner die Stadt verlassen, und die Häuser verfielen. |
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Der Wiederaufbau zog sich über viele Jahrzehnte hin. Vor
allem das Tuchmacherhandwerk und die Schuhmacher spielten eine Rolle
im Wirtschaftsleben der Stadt. Mit dem Rat waren die Bürger oft unzufrieden.
Die seit 1714 bestehende ??Ù?? Garnison bedeutete eher eine Belastung,
denn die Einquartierung von bis zu drei Kompanien Infanterie ließ den Wohnraum
recht knapp werden. |
Andererseits benötigte das Heer Uniformen, und Strausberger
Tuchmacher durften den Futterstoff dafür herstellen, ein dünnes, billiges
Gewebe, bei dem Strausberg zuletzt den Hauptteil des Armeebedarfs deckte.
Als 1798 das Kriegs- Collegium die Uniformen veränderte, brach schlagartig
das scheinbar so sichere Heeresgeschäft zusammen. Bis 1850 ging das Tuchmachergewerk
immer mehr zurück. Es war der zunehmenden Konkurrenz der maschinellen Fabrikproduktion
nicht mehr gewachsen. |
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Eine deutliche Veränderung des Stadtbildes bewirkte
der Neubau des Landarmen- und Invalidenanstalt, in die 1792 die ersten
300 Personen eingeliefert wurden. ( um 1870 bis über 700 Insassen).
Ein Teil der Gebäude wurde seit 1820 als Schul- und Erziehungsanstalt
für sozial gefährdete Jugendliche genutzt. Nach 1880 entstand dafür
ein neuer Gebäudekomplex außerhalb der Altstadt, der dem "Landesjugendheim"
bis 1945 diente. Die Anstalt blieb immer etwas abgesondert vom städtischen
Leben. |
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| In der Mitte des 19. Jahrhunderts war Strausberg noch ein
wirtschaftlich und politisch zurückgebliebenes Provinznest. Die Ereignisse
der Revolutionsjahre 1848/49 fanden in der Bürgerschaft keinen Widerhall;
nur im Landarmenhaus gab es kurzzeitig Unruhe und Arbeitsverweigerung. |
| Erst nach 1855 belebte sich die Stadt sowohl wirtschaftlich
als auch politisch. Die Tuchmacher nutzten verbesserte Handwebstühle,
und ihre Zahl wuchs wieder an. Die meisten arbeiteten jedoch als Heimarbeiter
für auswärtige Unternehmen. Den Schuhmachern ging es ähnlich. Jede
Schwankung im Wirtschaftsleben bekamen die abhängigen Handwerker sehr
drastisch zu spüren.. Um die Jahrhundertwende gingen schließlich sowohl
das Tuchmacher als auch das Schuhmacherhandwerk fast völlig zugrunde.
Zur gleichen Zeit boten neuentstandene Kleinbetriebe wieder Arbeitsmöglichkeiten. |
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Politisch erlebte Strausberg in dieser Zeit einen nachhaltigen
Wandel. Zuerst war es ein liberaler Geist, der für Bewegung sorgte: eine
Zeitung erschien, Vereine wurden gebildet, das Schulwesen verbessert und
kirchliche Bevormundung zurückgedrängt. Der Bau der Königlichen Ostbahn
nach Küstrin ließ den Anschluss Strausbergs an das wirt??Ù??schaftliche
und politische Leben Berlins noch enger werden. |
| Der wirtschaftliche Wandel machte Strausberg allmählich zu
einer Arbeiterstadt. Erste Gewerkschaften entstanden, ein Arbeiterturnverein
bildete sich. Im November 1887 gründete der 31-jährige Tuchmachermeister
Albert Pökelmann einen sozialdemokratischen Wahlverein. 1890 gewann erstmals
ein sozialdemokratischer Reichstagskandidat in Strausberg auf Anhieb 48,5
% der gültigen Stimmen und wies den konservativen und den liberalen Kandidaten
deutlich auf die Plätze. In allen Reichstagswahlen bis 1912 wiederholte
sich dieser Erfolg. |
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Viele Versammlungen in der Zeit vor dem ersten Weltkrieg
waren auch in der Kleinstadt Strausberg ein Schauplatz heftiger politischer
Auseinandersetzungen. Ein regelmäßiger Arbeitertreffpunkt war das
Hotel Magnus (heute Heimatmuseum). August Bebel forderte
1898 eine bessere Sozialpolitik statt Aufrüstung. Die Antikriegshaltung
blieb die Grundlinie der Sozialdemokraten; hinzu kamen die Forderungen
nach dem Achtstundentag, nach Rechten für die Frauen, nach mehr
Demokratie im Kommunalwahlrecht u.a.. |
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Die Konservativen hingegen, vor allem die Ortsgruppe des
Deutschen Flottenvereins, forderten Aufrüstung, eine deutsche Führungsrolle
in der Welt, koloniale Eroberungen und kein Zurückweichen vor einem möglichen
Krieg. |
| Der erste Weltkrieg kostete 218 Strausbergern das Leben.
In der Stadt machten sich bald Arbeitslosigkeit, Nahrungsmangel und Kriegsmüdigkeit
breit. 1918 hofften alle auf eine baldige Wende.
Nach der Novemberrevolution 1918 änderte sich faktisch nichts Grundlegendes
an den gesellschaftlichen Verhältnissen. Viele Arbeiter waren von
der Sozialdemokratischen Partei enttäuscht und orientierten sich nach
und nach auf die am linken Flügel neuentstandenen Parteien.
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Die Jahre der Weimarer Republik waren in Strausberg eine
Zeit scharfer politischer Kämpfe, in die sich zusätzlich noch die
faschistische NSDAP in das politische Kräftespiel einmischte. Kommunalpolitische
Verbesserungen, wie die Umwandlung der Kleinbahn in eine elektrische Straßenbahn
mit einer verbesserten Streckenführung oder der Bau der Seebadeanstalt am
Fichteplatz wurden in dieser Zeit beschlossen. Die Inflation 1923, Flauten
und Konkurs der meisten Fabriken in der Schuhindustrie belasteten die Einwohnerschaft.
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In der Zeit der ??Ù??Nazidiktatur wurde auch Strausberg
in die Kriegsvorbereitung einbezogen. Dazu diente vor allem die Munitionsfabrik
der Fritz Werner AG, die zum größten Unternehmen in der Stadt wurde, das
Flugzeugreparaturwerk Alfred Friedrich (für Schulflugzeuge) sowie der Bau
der Luftwaffenkaserne und des Militärflugplatzes im Norden der Stadt. Aktive
Gegner der Naziherrschaft wurden bedroht, verhaftet und z. T. in Konzentrationslager
oder Zuchthäuser eingesperrt. Die jüdischen Geschäfte wurden schon im März
1933 boykottiert, im November 1938 beschädigt und enteignet. 1942
wurden die letzten acht jüdischen Mitbürger deportiert. |
Im zweiten Weltkrieg blieb Strausberg zunächst von Zerstörungen
verschont. Bei der Vorbereitung und während der Offensive der Roten Armee
auf Berlin verursachten Bomben- und Artillerieangriffe auf die Stadt Tote
und Verwundete sowie geringe Schäden. Als die örtlichen Nazigrößen die Zerstörung
lebenswichtiger Einrichtungen anordneten, sorgten umsichtige Bürger für
den Erhalt der Anlagen. Am 21. April rückten Einheiten der Roten Armee kampflos
in die fast menschenleere Stadt ein, nachdem am Vortag der Flugplatz noch
heftig umkämpft war. |
Der sowjetische Stadtkommandant, der von da an die oberste
örtliche Instanz war, setzte wenige Tage später den Kommunisten Otto Langenbach
als Bürgermeister ein, der mit einigen Antifaschisten verschiedener
politischer Richtungen einen neuen Magistrat bildete. In kleinen, mühevollen
Schritten konnte das kommunale Leben wieder in Gang gebracht werden.
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Nach der Gründung der DDR erlebte Strausberg den stärksten
Einschnitt in seiner Entwicklung. Zunächst wurde es 1952 zum Verwaltungssitz
eines neugebildeten Kreises. Nachhaltiger waren die Auswirkungen, die vom
Ausbau als Garnisonsstadt, insbesondere durch die Verlegung zentraler militärischer
Führungsstellen in das Stadtgebiet, ausgingen. In die Kaserne am Flugplatz
zog 1954 der Hauptstab der Kasernierten Volkspolizei, aus dem 1956 das Ministerium
für Nationale Verteidigung der DDR hervorging. |
1957 folgte noch das Kommando Luftstreitkräfte/Luftverteidigung,
das in den neuerrichteten Kasernen an der Gemarkungsgrenze zu Eggersdorf
untergebracht wurde. Es folgten zahlreiche Unterstützungs- und Sicherungseinheiten.
Damit dominierte für Jahrzehnte die militärische Funktion der märkischen
Kleinstadt, die sich durch neue Wohnsiedlungen bald stark ausdehnte, durch
eine Verlängerung der S-Bahn nach Strausberg Nord zu günstigeren Verkehrsverbindungen
kam und neue, bis heute wirksame Kultur- und Sporteinrichtungen erhielt.
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Ein erneuter Wandel vollzog sich als Folge der deutschen
Einheit. Das im März 1990 umbenannte Ministerium für Abrüstung und
Verteidigung wurde aufgelöst, im Rahmen der Kreisgebietsreform ordneten
die Landesbehörden den Verwaltungssitz der abgelegenen Kleinstadt Seelow
zu, und von den Produktionsbetrieben der Stadt mussten sich die meisten
sehr stark einschränken oder wurden ganz stillgelegt. Dagegen wurde der
Garnisonscharakter der Stadt durch die Bundeswehr aufrechterhalten.
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Zu Beginn des Jahres 2000 ist Strausberg mit 15 verschiedenen
Dienststellen nicht nur eine der größten Garnisonen im Osten Deutschlands,
sondern eine anerkannte internationale Ausbildungs- und Begegnungsstätte,
ein Forschungs- und Wissenschaftszentrum, Teil der logistischen Basis des
gesamten Heeres sowie bedeutender Verwaltungssitz der Bundeswehr. |
| Strausberg beschreitet den nicht immer leichten Weg eines
Mittelzentrum im engeren Verflechtungsraum zur Bundeshauptstadt Berlin.
Mit einem neuerschlossenen Gewerbegebiet, mit neuen, anspruchsvollen Wohnparks
in reizvoller Umgebung, mit einer sich ständig verbessernden Infrastruktur
bietet die über 750jährige Barnimstadt Strausberg seinen Bürgern alle Voraussetzungen
für angenehmes "Wohnen, Leben und Arbeiten". |
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| AKANTHUS. Verein für Regionalgeschichte
und Denkmalspflege e.V. Strausberg |